Voltigieren: Turnsport auf dem Pferd
Voltigieren verbindet Turnen und Reitsport zu einer eigenen Disziplin. Auf einem Pferd, das an der Longe auf einem Zirkel geht, führen die Aktiven gymnastische und akrobatische Übungen aus. Die Bewegung des Pferdes, die Balance des Voltigierers und das Zusammenspiel der Beteiligten ergeben ein Bild, das eher an Bodenturnen als an klassisches Reiten erinnert. Gerade weil der Einstieg ohne eigenes Pferd und ohne Sattel möglich ist, gilt Voltigieren als guter erster Zugang zum Pferd.
Drei Rollen, ein Team
Beim Voltigieren wirken immer mehrere Beteiligte zusammen. Der Longenführer steht im Zentrum des Zirkels und steuert das Pferd über Longe, Stimme und Peitsche. Er trägt die größte Verantwortung, weil er für gleichmäßiges Tempo und einen ruhigen, runden Galopp sorgen muss. Das Voltigierpferd ist speziell ausgebildet, geht ausbalanciert und lässt sich von den Bewegungen auf seinem Rücken nicht stören. Die Voltigierer selbst arbeiten einzeln, im Doppel oder in Gruppen und stützen sich beim Aufsteigen und bei Hebefiguren gegenseitig.
Das Voltigierpferd und seine Ausrüstung
Anstelle eines Sattels trägt das Pferd einen Gurt mit zwei festen Griffen und Schlaufen, an denen sich die Aktiven halten und abdrücken. Darunter liegt eine dicke Decke, das Pad, das den Rücken schützt. Das Pferd geht im Kappzaum an der Longe und wird vor jeder Einheit gründlich aufgewärmt. Ein ruhiges Wesen ist wichtiger als spektakuläre Gänge, denn das Tier muss über lange Phasen einen gleichmäßigen Galopp halten, ohne sich von Sprüngen oder Hebefiguren irritieren zu lassen.
Pflichtteil und Kür
Im Turniersport gliedert sich die Leistung in mehrere Teile. Der Pflichtteil enthält festgelegte Übungen wie den Grundsitz, die Fahne, die Mühle, den Stehen und den Schersprung, die in vorgegebener Reihenfolge gezeigt werden. Sie prüfen Haltung, Körperspannung und das Gefühl für die Bewegung des Pferdes. In der Kür stellen Einzelvoltigierer oder Gruppen eine eigene Choreografie zu Musik zusammen. Hier zählen neben der technischen Schwierigkeit auch Ausdruck, Übergänge und das harmonische Zusammenspiel. Eine Richtergruppe bewertet die Übungen sowie die Gänge und das Verhalten des Pferdes.
Der Einstieg für Anfänger
Voltigieren beginnt fast immer in der Gruppe und im Schritt. Anfänger lernen zunächst das sichere Auf- und Absteigen, den Grundsitz und einfache Übungen, bevor es in den Galopp geht. Vorab wird auf einem hölzernen Übungspferd, der sogenannten Holzvolte, trainiert, damit Bewegungsabläufe ohne Risiko gefestigt werden. Körperspannung, Beweglichkeit und ein gutes Gleichgewicht sind die wichtigsten Voraussetzungen, und sie lassen sich durch Bodenturnen, Dehnübungen und Krafttraining gezielt aufbauen.
Einzel, Doppel und Gruppe
Voltigieren kennt mehrere Wettbewerbsformen, die sich im Anspruch unterscheiden. Der Einzelvoltigierer zeigt seine Übungen allein und muss sowohl die Pflicht als auch eine Kür meistern. Im Doppelvoltigieren arbeiten zwei Aktive zusammen und bauen Figuren auf, bei denen einer den anderen hebt oder stützt. Die Gruppe besteht klassisch aus mehreren Voltigierern, die gemeinsam eine Choreografie zeigen, in der auch Hebefiguren mit zwei oder drei Etagen vorkommen können. Gerade die Gruppenkür verlangt ein hohes Maß an Abstimmung, weil mehrere Personen gleichzeitig auf dem Rücken des Pferdes in Bewegung sind.
Was die Disziplin schult
Voltigieren entwickelt körperliche Fähigkeiten, die weit über den Reitsport hinausreichen. Gleichgewicht, Körperspannung, Kraft und Beweglichkeit werden gleichermaßen gefordert, ebenso ein gutes Rhythmusgefühl für die Bewegung des galoppierenden Pferdes. Zugleich lernen die Aktiven Verantwortung füreinander, weil bei Hebefiguren jeder Handgriff sitzen muss. Der respektvolle Umgang mit dem Pferd, das die ganze Arbeit trägt, steht dabei im Mittelpunkt der Ausbildung. Viele spätere Reiter haben über das Voltigieren ihr erstes Körpergefühl auf dem Pferd entwickelt.
Der Reiz der Disziplin liegt im Zusammenspiel von Mensch und Tier und in der Teamarbeit innerhalb der Gruppe. Wer voltigiert, schult früh ein Gefühl für die Bewegung des Pferdes, das später auch beim Reiten hilft. Sicherheit hat dabei stets Vorrang: weicher Boden, ein passender Helm in den unteren Stufen und ein verlässliches, gut ausgebildetes Pferd bilden die Grundlage für jede Übung.
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